RG „Karl August Möbius“ Eilenburg/TorgauAktuelles
Entwicklung des Brutbestands des Bienenfressers von 2004 bis 2020 im Untersuchungsgebiet entlang der Vereinigten Mulde zwischen Eilenburg und der Landesgrenze - Grafik: Dieter Wend
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Entwicklung des Brutbestands des Bienenfressers von 2004 bis 2020 im Untersuchungsgebiet entlang der Vereinigten Mulde zwischen Eilenburg und der Landesgrenze - Grafik: Dieter Wend

Der auffällige Bienenfresser (Merops apiaster, L. 1758) vertritt als einzige Art die Familie der Spinte in Deutschland. Entlang der Mulde zwischen Eilenburg und der Landesgrenze brütet die Art seit dem Jahr 2004 in Steilwänden der Uferabbrüche. Es handelt sich um jene Bereiche am Fluss, die durch die Tätigkeit des Wassers immer wieder aufs Neue entstehen und die auch Uferschwalben zur Anlage von Bruthöhlen nutzen. Daneben brütet der Bienenfresser gelegentlich auch in Kiestagebauen links und rechts der Mulde. Bei Fortbestand der Wände sind die Höhlen auch in den Wintermonaten, ohne die Anwesenheit der Erbauer, sichtbar. Ihren Namen verdanken die Vögel der Nahrung, die vor allem aus Hautflüglern, wie Bienen, Wespen oder Hornissen besteht. Auch Libellen und Käfer werden in großem Umfang verzehrt. Dabei können Bienenfresser zwischen giftigen und ungiftigen Insekten unterscheiden. Mit einem gefangenen Insekt auf eine Sitzwarte zurückgekehrt, entfernen die Vögel durch Aufschlagen und Abreiben des Hinterleibes die Giftdrüse. Anders als der Wiedehopf, ebenfalls eine wärmeliebende Vogelart, dessen Brutbestand aktuell zunimmt und der die Nahrung am Boden sucht, jagen Bienenfresser hauptsächlich Fluginsekten.

Die Vereinigte Mulde, welche durch den Zusammenfluss der Freiberger und der Zwickauer Mulde bei Sermuth entsteht, fließt auf einer Länge von 147 Kilometern, ehe sie in Dessau-Roßlau die Elbe erreicht. Der Fluss quert dabei das Sächsische Hügelland, die Auen zwischen Grimma und Bad Düben und das östliche Sachsen-Anhalt. Im Abschnitt zwischen Eilenburg im Süden und der Ländergrenze Sachsens und Sachsen-Anhalts im Norden wurden im Jahr 2020 die Brutvorkommen des Bienenfressers durch die NABU-Regionalgruppe „Karl August Möbius“ Eilenburg/Torgau kartiert. Die Koordinierung und die Datenauswertung übernahm Dieter Wend aus Mörtitz, welcher die Besiedlung dieses Gewässerabschnitts von Anfang an durch Zählungen begleitet und dokumentiert. Die neuerlichen Zählungen im nordwestlichen Sachsen ordnen sich ein in bundesweite Bemühungen, die Vorkommen in der Saison 2020 zu erfassen. Es geht darum, ein aktuelles Verbreitungsbild zu zeichnen und die Bestandsentwicklung in der jüngeren Historie großräumig nachzuvollziehen.

Beflogene Höhlen kann man gewöhnlich vom jeweils gegenüberliegenden Ufer aus zählen. Befinden sich viele Höhlen und nicht fertig gebaute Höhlenanfänge in einem Wandabschnitt, wird den Ornithologen besondere Konzentration abverlangt. Das Brutgeschehen aller Paare einer Kolonie ist nur teilweise synchronisiert. Vor allem bei kopfstarken Ansiedlungen sichern deshalb mehrere Erfassungstermine das Zustandekommen der tatsächlichen Bestandswerte. Abgebrochene oder anderweitig erfolglose Bruten lassen sich auf diese Weise jedoch nicht feststellen. Wenn sich Jungvögel in einer Höhle befinden, dann steuern die Eltern früher oder später diese mit Futter im Schnabel an. Mehrstündige Beobachtungen an einem Vorkommen sind dennoch die Regel, weil selbst bei sommerlichem Wetter die Fütterungen von mehr oder weniger langen Pausen unterbrochen sein können. Mehrere Bootsfahrten und Exkursionen zu Fuß waren erforderlich, um die Ansiedlungen im Jahr 2020 vollständig zu erfassen. Die Termine konzentrierten sich auf den Zeitraum Mitte Juli bis Mitte August. Die Schutzgebietsverordnung des Naturschutzgebiets „Vereinigte Mulde Eilenburg – Bad Düben“ verbietet bis Mitte Juli das Befahren des Flusses. Eine Reihe von Gegenzählungen an bekannten Schlafplätzen der Bienenfresser in der Muldenaue diente der Plausibilitätsprüfung unserer Ergebnisse.

Die Kartierungen ergaben einen regionalen Bestand von etwa 250 Brutpaaren. Auf Grundlage dieser aktuellen Daten kann vorläufig eingeschätzt werden, dass im Jahr 2020 etwas mehr als die Hälfte der sächsischen Bienenfresser in der Muldenaue brütete. Eine Besonderheit dort ist das jährliche Nisten in Primärhabitaten, was die herausgehobene Bedeutung naturnah erhaltener Flussauen für artenreiche Lebensgemeinschaften erneut unterstreicht. Nur wenige andere Gebiete in Deutschland können damit aufwarten. Kolonieartiges Brüten ist auch an der Mulde nicht die Regel, Einzelpaare nisten verstreut ebenso abseits von Kolonien. Auch im Fall der aktuellen Kartierung wird über die Landesgrenzen hinaus zusammengearbeitet: Die Mulde markiert auf vielen Flusskilometern die Grenze zu Sachsen-Anhalt. Das erforderte besondere Sorgfalt bei den Erfassungen. Die örtlichen Bezüge und zugehörige Bestandszahlen werden mit Kartierern aus dem benachbarten Bundesland abgestimmt, damit es zu keinen Doppelzählungen kommt


April 2021,

Dieter Wend, Mörtitz

Peter Solluntsch, Wedelwitz



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